Bleibende Eindrücke vom Schloss und der Fayence Manufaktur
Ein Schloss aus dem 18. Jahrhundert mit einem einzigartigen Fliesenzimmer, ein vorindustrielles Fabrikgebäude, in dem von 1736 bis 1835 Fayencen gefertigt wurden und eine Orangerie, in der um die Mitte des 19. Jahrhunderts Orangenbäume überwinterten – dieses historisch wertvolle Ensemble im kleinen Ort Wrisbergholzen im Leinebergland hatten sich die Wülfinger Landfrauen als Ziel für ihren Halbtagesausflug ausgesucht.
Graf Alexander von Goertz-Wrisberg, der Eigentümer des unbewohnten Schlosses, kam aus Hildesheim, um das Fliesenzimmer für die Landfrauen aufzuschließen. Der Anblick der 680 Emblemfliesen, einer Kombination aus Sinnbild und Text, war überwältigend. Sie wurden alle hergestellt Mitte des 18. Jahrhunderts in der gegenüberliegenden Fayence Manufaktur nach Vorlagen aus Emblembüchern der schlosseigenen Bibliothek. Es gibt Spruchfliesen in lateinischer, französischer und italienischer Sprache, Tier-, Pflanzen- und landschaftliche Darstellungen – jede Fliese unterscheidet sich von allen anderen. Es wird vermutet, dass der Freiherr Rudolf Johann von Wrisberg diese „Wandverkleidung“ aus Liebhaberei in seinem Frühstückszimmer anbringen ließ.
Ab 1984 kümmert sich der „Verein zur Erhaltung von Baudenkmalen in Wrisbergholzen“ um die Restaurierung und dauerhafte Unterhaltung der Manufaktur. Bei der Führung lernten die Landfrauen dort die einzelnen Schritte kennen, die zur Herstellung von Fayencen, die aus Ton gebrannt, glasiert und bemalt werden, nötig sind. Produziert wurden Fliesen, Kachelöfen, Artikel des täglichen Gebrauchs wie Krüge, Teller, Töpfe. Die Grundmauern des Brennofens sind noch zu sehen. Ein Brennmeister konnte in damaliger Zeit nur an Hand der Färbung im Brennofen erkennen, ob die richtige Hitze von 900 Grad für den ersten Brand und 1.100 Grad für den zweiten Brand erreicht waren. Irren durfte er sich nicht, denn bei falscher Temperatur gab es nur Ausschuss.
In der Orangerie wurden die Wülfinger Landfrauen abschließend von ehrenamtlichen Helfern mit Kaffee und Kuchen versorgt. Und es herrschte Einigkeit: Wrisbergholzen ist ein sehr lohnendes, noch viel zu unbekanntes Ziel.
Margrit Veuskens
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