Speed Painting an der Mea Dea
Genau vor einem Jahr wurde die 5,50 Meter hohe und nackte Marmorstatue Mea Dea (Meine Göttin) des 73-jährigen Künstlers Dieter Homeyer aus Bründeln, in der Feldmark zwischen Bründeln und Clauen im Nahbereich der Bundesstraße 494 aufgestellt und im Beisein von 200 Zuschauern eingeweiht.
Mit dem Sockel ist die Fruchtbarkeitsgöttin des Künstlers Homeyer sogar 6,20 Meter hoch und insgesamt 20 Tonnen schwer. Für viele Menschen hat sie nach der Aufstellung und Einweihung für Bewunderung und Empörung gesorgt. Einige hatten die nackte Göttin auch als „Schandfleck“ bezeichnet. Bildhauer Homeyer hatte sich bei der Erstellung und Arbeit an der Figur von der US-Amerikanerin Vanessa Williams inspirieren lassen. Es sollte der Schlusspunkt seines langen Künstlerlebens werden.
Das Bild hat sich im Laufe der Zeit geändert, denn die umstrittene Statue hat sich inzwischen zu einem Publikumsmagnet entwickelt und lockt viele Wanderer oder Radfahrer sowie Autofahrer aus Nah und Fern an, um den „Stein des Anstoßes“ zu bewundern. Die Statue wurde bewusst auf einem Wirtschaftsweg neben einem freien Acker aufgestellt, weil der Standort eine weithin sichtbar und eine maximale Wirkung hat. Homeyer wollte die konkrete Bedeutung des Werkes „auf fruchtbarem Boden“ den Betrachtern überlassen. Unterstützung dabei fand er besonders bei Bründelns Ortsvorsteherin Julia Semper, vielen Dorfbewohnern, dem Kulturverein Hohenhameln und dem anliegenden Landwirt Hans-Werner Grote aus Clauen, als Eigentümer der Ackerfläche. Landwirt Wilhelm Lauenstein aus Bründeln, der die Fläche in Pacht bewirtschaftet, zeigte sich ganz begeistert von dem Kunstwerk und dem Standort. „Inzwischen ist hier ein Kommen und Gehen von Bewunderern“, sagte Lauenstein, der selbst einmal kritisch eingestellt war. Der Kulturverein als Initiator der Aufstellung dieser Marmorstatue hat nunmehr neben der Statue eine Infotafel und Sitzgruppe aus Marmor mit vier Sitzblöcken aufgestellt. Auch diese über zwei Tonnen schwere Sitzgruppe ist ein Werk des Künstlers Homeyer.
„Der Tisch ist ein Nebenproduckt aus dem riesigen Steinblock, den ich aus der Hüfte mit 32 Millimeter Kernbohrern heraus getrennt habe“, sagte Homeyer. Allein der große unbearbeitete Steinblock aus dem Kalkstein-Marmor selbst aus dem Untersberger Marmorwerk bei Salzburg mit Farbpigmente aus Gelb, Grün, Rot, Orange und Weiß aufweist habe 45 Tonnen gewogen und 12.000 Euro gekostet. „Das Geld dafür hat bei mir nie eine Rolle gespielt, denn ich hatte viele andere Kunden und Unterstützer“, so Homeyer . Er nennt es schlicht „eine Haltung im Dasein“. Hinzu seien aber noch die Transportkosten von 6.500 Euro gekommen.
Diese Kosten und auch die aufwendige Aufstellung mit Fundamenten habe die Bendorf-Stiftung aus Hohenhameln übernommen. „Über alle anderen Kosten rede ich nicht, denn das geschaffene Steinwerk ist und bleibt mein Eigentum“ sagt Homeyer. Er selbst, so bemerkte er weiter, habe insgesamt acht Jahre daran gearbeitet. Die reale Arbeitszeit davon habe wohl so knapp vier Jahre betragen. Die neue Infotafel liefert den Besuchern nunmehr die Hintergründe zur Entstehung der schwangeren Marmor-Göttin in betont kurvigen Formen. Damit werde dieser Bereich um die Figur von Künstler Homeyer, die er über die Jahre mit Hammer und Meißel, Kernbohrer, Trennschneider, Diamantensäge sowie Presslufthammer bearbeitet hat, offiziell als „Rastplatz für Tagestouristen“ aufgewertet, bemerkte die Vorsitzende des Kulturvereins, Petra Moderow, die mit ihrer Vorstandskollegin Marion Övermöhle-Mühlbach die Sitzgruppe gestern Vormittag offiziell einweihte und die Info-Tafel mit dem Künstler Homeyer enthüllte. Dazu hatten sich zahlreiche Besucher an dem Standbild in freier Natur eingefunden.
„Das ist ja ein geniales Werk und der Künstler ein ganz verrückter Typ, bemerkte eine Zuschauerin aus Borsum, die aber mit Blick auf mögliche Kritiker nicht genannt werden möchte. Das Projekt, so Vorsitzende Moderow, sei ausschließlich durch Stiftungen für Kunst und Kultur sowie privaten Spendern ganz ohne öffentliche Gelder finanziert worden. Bereits vorher konnten sich die Besucher an einem Speed Painting beteiligen, um in kurzer Zeit unter Anleitung der Malerin Diane Stutzki aus Hohenhameln ein Gemälde von der Statue zu erstellen. Für eine entspannende Musik dabei sorgte der Peiner Musik-Entertainer Horst-Dieter Schmidt „Schmiddell„ aus Solschen.
Die schönsten Bilder sollen am 19. November, 18 Uhr, im Rathaus der Gemeinde Hohenhameln von Bürgermeister Sebastian Hebbelmann vorgestellt werden. „Jetzt werden wir mal drüber nachdenken, ob wir dem Wirtschaftsweg einen Namen geben, damit man den Standort auch über Navi findet“, sagte Landwirt Wilhelm Lauenstein aus Bründeln mit einem Lächeln.
Text und Fotos: Hans-Theo Wiechens
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