Schalke oder Dortmund? Der Fußball im Ruhrpott spielte bei Arnd Zeigler natürlich auch eine Rolle.

"Dahin, wo es wehtut": Arnd Zeigler begeistert mit seinem Bühnenprogramm im Audimax der Universität Hildesheim

20.02.19 | Eigentlich ist es ja ganz einfach: Man nehme 22 Menschen, lässt sie mit einem Ball auf zwei Tore schießen und fertig ist das Fußballspiel. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit.

Denn wo von „Flankengöttern“ und „Meistern der Herzen“ gesprochen wird, geht es hochemotional zu. Zwischen Kabine, Bratwurststand und Spielfeld herrscht eben eine ganz eigene, liebenswerte Kultur mit verrückten und absurden Seiten - die wohl kaum jemand besser kennt als der preisgekrönte Sportjournalist Arnd Zeigler.

 

 

Das Plakat zur Veranstaltung

Im Audimax der Universität Hildesheim nahm er nun rund 500 Zuschauer mit in „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs – live“, das humoristische Bühnenprogramm zu seiner beliebten TV-Sendung.

„Arnd Zeigler ist ein guter Mann, weil keiner so viel von Fußball sagen kann“

Unfreiwillige Komik gehört zum Fußball wie Uli Hoeneß zum FC Bayern München. Das zeigt sich im Hildesheimer Audimax schon, bevor Arnd Zeigler die Bühne betritt. Auf einer großflächigen Leinwand sorgen eingespielte Fußball-Clips à la Pleiten, Pech und Pannen im Sekundentakt für heiter-schallendes Gelächter - das im Laufe des Abends nur selten verstummen wird. Skurrilitäten wie diese, vom Fußballarchivar Zeigler detailverliebt ausgewählt und süffisant bis ironisch-schmunzelnd präsentiert, bilden das Grundkonzept seines Bühnenprogramms. Bereits im zweiten Jahr tourt er damit überaus erfolgreich durch ganz Deutschland, zum ersten Mal tritt er in Hildesheim auf. Die Stimmung ist gemütlich-vertraut, im Publikum sitzen Junge und Alte ebenso wie Männer und Frauen. Nicht wenige bekennen sich modisch zu ihren Lieblingsclubs, die Vielfalt reicht von grünen Werder Bremen-Schals bin hin zu blau-gelben Eintracht Braunschweig-Trikots.

fotogalerieArnd Zeigler selbst präsentiert sich auf der Bühne ganz so, wie ihn das Publikum aus seiner WDR-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ kennt. In unaufgeregt-unterhaltender Art an seinem Kult-Schreibtisch voller Fußball-Devotionalien sitzend, zwischen Stadionflutern im Mini-Format und ledernen Fußbällen. Bereits seit 2007 sendet er das Kult-Format allwöchentlich aus seiner heimischen Bremer Wohnung. Sein Auftrag an diesem Abend? „Wir wollen gemeinsam ergründen, was denn überhaupt das Wunderbare am Fußball ist - denn so behaupte ich es in meiner Sendung ja immer großspurig“, erklärt der 53-Jährige. Genau dieses Thema ist seine Leidenschaft, dafür ist er als feste Größe in der deutschen Fußballkultur bekannt - als Autor, Hörfunk- und Radiomoderator sowie Stadionsprecher seines Heimatvereins Werder Bremen. Verdiente Fußballer wie Rudi Völler, Jürgen Klopp und Manuel Neuer lobten ihn bereits, Götz Alsmann komponierte gar: „Arnd Zeigler ist ein guter Mann, weil keiner so viel von Fußball sagen kann.“ Schnell hat der Sportjournalist auch das Hildesheimer Publikum hinter sich. Mit einer amüsanten Reise durch die vielfältigen Facetten des Fußballsports, begeistert er in der Domstadt nicht weniger als drei Stunden, ohne auch nur im Entferntesten langweilig zu werden.

Eigentlich sei es ja komisch, gibt sich Arnd Zeigler zu Beginn nachdenklich: „Warum machen wir das alles überhaupt immer wieder mit? Warum lassen wir uns montags auf der Arbeit immer wieder ärgern, wenn der Verein mal wieder verloren hat?“ Zustimmendes Lachen im Publikum, doch so wirklich verstehen könne er es nicht. Letztlich hält er es mit der rationalen Erklärung der Gelehrten: „Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und darum so wichtig.“ Was diese trockenen Worte bedeuten, zeigt der Bremer mit Wohnsitz „Nähe Weserstadion“ („selbst Briefe kommen mit dieser Adresse schon bei mir an“) auf bestens unterhaltende Weise - in elf Lektionen, wie könnte es anders sein.

 

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Keagan oder Breitner? Zeigler hatte zahlreiche Kuriositäten aus der Fußballhistorie dabei.

 

Da ist zum Beispiel das Phänomen Eigentor. „Das sind hochkomplexe Vorgänge, die da in einem Fußballerkörper vor sich gehen“, so Zeigler, der in seiner TV-Sendung regelmäßig das „Kacktor des Monats“ kürt. „Das Gehirn sagt: Nein, der Ball darf nicht in das Tor, aber das linke Bein sagt: Doch, das macht aber mehr Spaß. Sowas erlebt man sonst nur in der Neurologie“, behauptet der Kult-Journalist, um nach kurzer Denkpause als Seitenhieb zu ergänzen - „oder im Management des Hamburger Sportvereins.“

„Gegen uns hätten wir auch gewonnen“

Spitzen wie diese sind typisch für Zeigler und werden noch oft an diesem Abend mit ehrlich-ausgiebigen Lachsalven des Publikums honoriert. Dafür sorgt auch der Fußballer, der sich unmittelbar nach seinem Schuss auf das leere Tor jubelnd vom Geschehen abwendet - ohne zu merken, dass der Ball noch vor der Torlinie verendet. „Das beste Tor, das es nie gegeben hat“, kommentiert Zeigler später humorig. Und von dem Torschützen, der sich im ausgelassenen Siegestaumel vor der Tribüne feiert, lernt das Publikum eine weitere Lektion: Immer erst mit dem Stadion vertraut machen. Denn ohne es zu merken, jubelte er einer menschenleeren Tribünen-Baustelle zu.

Geradezu unendlich wirkt das Repertoire absurder Szenerien der Fußballgeschichte, die Zeigler neben Videofilmchen auch in Form von Zeitungsausschnitten und Erzählungen präsentiert. Tatsächlich erreicht der 53-Jährige damit auch blutige Fußballlaien: Fachwissen benötigt es keines, um sich an diesem Abend zu amüsieren. Vielleicht liegt auch hierin der Grund für den Erfolg des Bremers. Hervorragend gelingt es ihm trotzdem, nicht in seichte Unterhaltung zu verfallen.
Von „harten Kerlen“ über „Mode“ bis hin zu legendären Trainersprüchen reicht der Fußballkosmos in Hildesheim. Eine Kostprobe gefällig? „Naja, gegen uns hätten wir auch gewonnen“, wird Klaus Allofs zitiert.
Dabei lehrt das Bühnenprogramm beiläufig-charmant immer auch etwas über den gesellschaftlichen Alltag verschiedener Zeiten, darunter bezüglich Geschlechterklischees. Unfreiwillig-komödiantisch aus der Zeit gefallen wirkt die Szene, in der ein 24-jähriger Uli Hoeneß sich in einer Talkshow damit brüstete, „dass es in einer Ehe gewisse Dinge gibt, die der eine macht und gewisse Dinge, die der andere macht. Und dazu gehört z.B. Sockenwaschen.“ Heitere Ungläubigkeit offenbart sich in den amüsierten Gesichtern des Zuschauerraums. Und auch während der folgenden WDR-Reportage aus den 1960ern bricht das Grinsen nicht ab: Fußball, so erklärt der seriöse Sprecher in monotonem Duktus zum Schwarz-Weiß-Film, sei für Jungen aus Gelsenkirchener Hinterhöfen „die einzige Möglichkeit, etwas Besonderes zu werden - während ein Mädchen nur hoffen kann, einen Fußballer abzubekommen.“ Mit übertrieben-entrüstetem Blick wendet sich Arnd Zeigler seinem Publikum zu: „War das in Hildesheim damals auch so?“

„Konnte weiterspielen, blieb aber kinderlos“

Gemischte Reaktionen provoziert im Audimax der Clip des Engländers Phil Babb vom FC Liverpool. Beim Versuch, einen Torschuss zu verhindern, konnte er sich nicht mehr halten - und rutschte auf dem Rücken liegend ungebremst gen Tor. Breitbeinig! Erst der Torpfosten bremste ihn. Schmerzverzerrte Gesichter bei den männlichen Zuschauern, schadenfrohes Kichern unter den Frauen. Der Nebentitel des Programms „Dahin, wo es wehtut“ trifft es da genau. Doch Arnd Zeigler beschwichtigt mit schelmischem Blick: „Weiterspielen konnte er, blieb aber kinderlos.“
Selbst ein pikantes Foto vom vierten Junggesellenabschied des heutigen Trainers von Hannover 96 durfte im Hildesheimer Audimax nicht fehlen: Eine Nahaufnahme Thomas Dolls, der sich mit sahneverschmiertem Mund neben einer entkleideten Dame amüsiert. „Natürlich alles zu pädagogischen Zwecken“, rechtfertigt Zeigler die überlebensgroße Darstellung mit einem Zeigestock in der Hand, schließlich wolle er nur über die Gefahren digitaler Medien aufklären.
Selbstironisch wechselt er zu einem Foto seiner selbst aus dem Jahr 2001, als er in Berlin die Ehrung „Sportjournalist des Jahres“ entgegennahm: „Da sah ich noch ganz vornehm aus und dachte, das wird eine ganz seriöse Sportjournalisten-Karriere. Heute sitze ich hier in Hildesheim - und zeige Busenbilder“, scherzt der 53-Jährige, der häufiger mit dem Hundetrainer Martin Rütter verwechselt werde. Ob er sich selbst eher als Comedian oder Journalist sehe, darüber grübele er noch immer: „Denn ich habe in einem Jahr an vier Orten direkt nach Fips Asmussen gespielt.“

„Das Schöne am Fußball ist doch das Verbindende“

Ganz egal, wo sich Arnd Zeigler beruflich selbst verortet: Dass er Kult ist, steht weiter außer Frage. „Man hat als Fußballfans einfach ganz viele Dinge, die man miteinander teilt, und ich glaube, das ist das Wichtige am Fußball. [...] Das ist so viel mehr wert als uns Marketingleute immer zu erklären versuchen“, lautet das Fazit seines Bühnenprogramms. Geradezu „wie ein Hildes-Heimspiel“ habe es sich für ihn an diesem Abend angefühlt. Und so wundert es kaum, dass der Fußball-Enthusiast Zeigler nach dem Bühnenprogramm den Weg in das Foyer nimmt - natürlich, um bei einem Bier ausgiebig mit seinen Fans zu plaudern. Das Thema dürfte klar sein.

Marcel Giffey / Fotos: Clemens Heidrich

 

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Geduldig und gut gelaunt wurden alle Autogramm- und Fotowünsche erfüllt.

 

 

 

Arnd Zeigler im Netz

 
Die Veranstaltung wurde präsentiert von:
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Mit freundlicher Unterstützung von:
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