Naturschutz auf dem Stoppelfeld
Hohen Besuch gab es kürzlich auf einem abgeernteten Getreidefeld in Algermissen: Fritz Brickwedde, Stiftungsratsvorsitzender der Heinz-Sielmann-Stiftung und ehemaliger Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, kam zusammen mit den Mitarbeiterinnen der Ökologischen Station Hildesheim, nach Algermissen, um sich ein Bild vom Feldhamsterschutz zu verschaffen.
Auf seinem Reisezwischenstopp von Berlin nach Osnabrück war es dem mittlerweile 78-jährigen Brickwedde ein wichtiges Anliegen, sich zum einen über die Arbeit der ökologischen Station in Hildesheim zu informieren, die 2023 gegründet wurde und von der Heinz-Sielmann-Stiftung zusammen mit der Paul-Feindt-Stiftung, dem Landkreis und der Stadt Hildesheim getragen wird. Zum anderen wollte Brickwedde persönlich vor Ort praktizierte Natur- und Artenschutzmaßnahmen erleben.
In diesem Fall war das die sogenannte „Ährenernte“: Dabei werden die Halme vom Mähdrescher kurz unter der Ähre gekappt. Die langen Stoppeln verbleiben dann bis Ende September auf dem Feld und werden erst im Oktober weiter bearbeitet. Für den Mehraufwand erhalten die Landwirte einen Ausgleich.
Durch dieses besondere Feldmanagement hat der Feldhamster erheblich mehr Zeit, Nahrung auf den Feldern zu finden und Vorräte für seinen von Oktober bis März dauernden Winterschlaf anzulegen. Darüber hinaus bieten die hohen Stoppeln dem Feldhamster und weiteren Wildtieren eine deutlich bessere Deckung vor natürlichen Fressfeinden wie dem Greifvogel, da dieser im hohen Stoppelfeld nicht landen kann.
Entwickelt wurde die „Ährenernte“ im Jahr 2019 im Rahmen eines großangelegten Feldversuchs in Zusammenarbeit mit der Deutschen Wildtierstiftung und dem Landwirt Clemens Gerhardy. Ziel war es, auf sinnvolle Weise Natur- und Artenschutz mit praktischem Ackerbau zu verbinden - und damit für ein besseres Miteinander von Landwirtschaft, Natur und Umwelt zu sorgen.
Dass das Projekt „Ährenernte“ zum Erfolg wurde, spiegelt sich nicht nur in zahlreichen Auszeichnungen, wie dem Preis der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“, wider, sondern vor allem durch den Einzug in die Praxis: So beteiligen sich inzwischen ein Dutzend Landwirte in der Hildesheimer Börde an diesem Artenschutzprogramm, das mittlerweile auch in vielen anderen Landkreisen als offizielles Schutzprojekt angeboten und gut angenommen wird.
Stiftungsratsvorsitzender Brickwedde zeigte sich vom hiesigen Feldhamster-Schutzprojekt begeistert und lobte das dafür erforderliche gute Zusammenspiel von Naturschützern, Landwirten und dem Landkreis Hildesheim.
Clemens Gerhardy
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