Ein Schlachtschwein stand für Gründung Pate
Genau am 26. September 1986 trafen sich 46 interessierte Männer aus den sechs Ortschaften der Gemeinde Algermissen erstmals, um unter der Chorleitung von Roman Schliep aus Dinklar als reiner Männerchor zu singen. Schliep war damals auch Chorleiter beim Gesangverein von 1863 Algermissen.
Die Anregung für den überörtlichen Zusammenschluss der sangesfreudigen Männer hatte der damalige und aus Groß Lobke stammende Gemeindebürgermeister Henning Heinemann, der in der ersten Versammlung zur Gründung der „Sängervereinigung Algermissen (SgA) die Regie übernahm. Zum Vorsitzenden des klassischen Männerchores wurde damals Günter Glaser aus Lühnde, Werner Hartmann zu seinem Stellvertreter und Franz Alich zum Schriftführer (beide Algermissen) gewählt.
Der Ausschlag war, dass damals alle gemischten Chöre in den sechs Ortschaften über erheblichen Sängernachwuchs klagten. Damit wollte man die Sänger zum Singen bei Laune halten. Man traf sich abwechselnd zum Singen nur einmal im Monat in den Aulas der Grundschulen Algermissen und Lühnde sowie in einem Groß Lobker Wirtshaus. Damit wollte man die Existenz der bestehenden gemischten Chöre nicht gefährden. So nach und nach wurde im Laufe der Jahre zweimal und später dann einmal im Monat unter der Leitung von Schliep geprobt, der bis 1997 elf Jahre Chorleiter war. Erst fünf Jahre später wurde die SgA offiziell als gemeinnütziger Verein beim Amtsgericht Hildesheim eingetragen.
In diesem Jahr feiert die Sängergemeinschaft ihr 40-jähriges Bestehen am Sonnabend, 26. September, 16 Uhr, mit einem Konzert in der evangelischen Adventskirche am Grasweg 5 in Algermissen. Mit dabei ist dann auch der befreundete Männergesangverein aus Hohenhameln. Die Gesamtleitung des Konzertes mit einem Querschnitt aus traditioneller und moderner Chormusik liegt in den Händen des jetzigen Chorleiters Lothar Wedekind, der seit 2021 die Sängervereinigung leitet. Zum Konzert angesagt hat sich auch Tobias Grote als Solist mit seiner Geige. Der Eintritt zum Konzert ist frei.
Aber der Reihe nach: Ein überjähriges und fast fünf Zentner schweres Schlachtschwein von Günter Glaser aus Lühnde stand 1986 Pate für die Gründung der SgA. Als Hausschlachter Werner Hartmann aus Algermissen den schweren Koloss in seinem Schlachthaus in zwei Hälften am Haken hatte, wurde nach alter Tradition ein „Kurzer“ eingeschenkt und ein Volkslied angestimmt. Mit dabei war auch Artur Schade aus Lühnde. Das galt dann auch beim anschließenden Wurstmachen oder dem Dosenkochen.
Daraus entstand dann wenige Monate später aus der Idee dieser drei Sänger die heutige Sängervereinigung. Nach dem Tod des Vorsitzenden Glaser übernahm 1998 Artur Schade den Vorsitz. Dieser aber verstarb im Mai 2026 nach 28 Jahren als Vorsitzender ganz plötzlich und unerwartet. Jetzt haben der seit 1998 ununterbrochentätige Kassenwart Wilhelm Grefe, Heinz Schnieber (beide Lühnde) und Chorleiter Lothar Wedekind aus Hildesheim die Leitung als Team im Verein übernommen. Der heute 44 Mitglieder zählende Verein, darunter fünfzehn aktive Sänger, hat im Laufe der Jahre bei zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen gesungen.
Zu den Initiativen des Vereins zählten besonders der Tag des Liedes und das Singen unter der Krippe. Die Teilnahme am Drei-Königs-Singen im Magdalenenhof in Hildesheim steht heute immer noch auf dem Programm. Höhepunkt zahlreicher Reisen war 2006 die elftägige Fahrt nach Sankt Petersburg mit Zwischenstopp zum Singen in der Felsenkirche in Helsinki. In den Jahren von 1998 bis 2008 leitete Ulrich Feldmann aus Hannover den Chor. Anschließend lag die Chorleitung bis 2012 in den Händen von Monika Beuthin und danach bis 2021 bei Wolfgang Beuthin. Zum 25-jährigen Bestehen im Jahr 2011 waren noch 44 Sänger aktiv dabei, erinnert sich Grefe. Seit 2021 zeichnet sich Lothar Wedekind als Chorleiter verantwortlich. Er ist gerade dabei, ein eigenes Liederbuch mit Noten und Texten im dreistimmigen Satz zu schreiben, denn der Chor singt seit einiger Zeit notgedrungen nur noch dreistimmig. Das gelte inzwischen aber auch für viele andere Chöre, die nicht mehr vierstimmig singen können, sagt Wedekind. Neue Sänger zu finden sei für viele Vereine heute ungemein schwierig.
Nicht ohne Grund werde am 4. September der Kreischorverband Hildesheim im Kreishaus aufgelöst, sagt Wedekind. Von den ehemals über 80 Chören seien nur noch 30 im Kreisverband organisiert. Diese Chöre müssten sich dann einem anderen umliegenden Kreisverband anschließen. Bereits im Jahr 2007 bauten die Sänger in Eigenleistung einen 70 Quadratmeter großen und schmucken Übungsraum in einem ehemaligen Abstellraum auf dem Hof von Wilhelm Grefe am Bolzumer Tor 1 in Lühnde.
„Insgesamt 600 ehrenamtliche Arbeitsstunden haben die Sänger damals dafür investiert“, bemerkt Grefe, der den Sängern den Raum kostenlos zum Singen, Feiern oder Versammlungen zur Verfügung stellt. Die Betriebskosten für Strom und Heizung werde überwiegend aus dem Getränkeverkauf finanziert, sagt Grefe als „Getränkewart“ des Vereins mit einem Lächeln. An der Wand hängt zur Erinnerung eine alte Fahne des Lühnder Gesangvereins von 1891 und ein Foto des Männerchores aus dem Jahr 1912 sowie ein Bild des späteren gemischten Chores Lühnde.
Gesangsprobe ist jeden Montag von 19 bis 20.30 Uhr. „Anschließend ist immer gemütliches Beisammensein“, sagt Grefe. Der Mitgliedsbetrag für fördernde Mitglieder beträgt 40 Euro im Jahr und die Aktiven müssen 150 Euro im Jahr zahlen, um die Kosten für Noten und Chorleiter zu decken. Dafür hätten sie aber immer viel Spaß und gute Unterhaltung, auch außerhalb der Singabende. Wer Lust zum Singen hat, der kann sich bei Grefe, Telefon: 05126 8329, melden oder an einem der Singabende einfach einfinden.
Text und Fotos: Hans-Theo Wiechens

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